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Empfehlungen zum Bewerbungsaufbau

(aus einem Beitrag von Heiko Mell in den VDI nachrichten vom 08.10.2004)

1. Nicht jedes Buch zum Thema liegt richtig mit seinen Empfehlungen. Sie brauchen eines von einem Autor, der a) ständig selbst Bewerbungen liest und bewertet und b) aus dem Metier kommt, in dem Sie sich bewerben. Als Ingenieur ist das vor allem die Industrie. Andere Branchen haben völlig andere Gepflogenheiten – Werbeagenturen beispielsweise oder Finanzdienstleister.

2. Natürlich sind Sie eine einmalige Persönlichkeit, anders als die anderen Bewerber. Und das wollen Sie auch darstellen, das will der Empfänger auch sehen. Es ist nur so, dass „das Leben“ bereits Instrumentarien geschaffen hat, die Ihre Einmaligkeit „automatisch“ ans Licht bringen, Sie brauchen jetzt, im Stadium der Bewerbung, nichts(!) mehr in dieser Hinsicht zu tun.

Ihre Besonderheiten wurden so etwa ab dem 15. Lebensjahr durch „Sensoren“ erfasst und in Dokumenten oder durch anderweitige Fakten dargestellt. Das allein zählt; was dort nicht deutlich geworden ist, gibt es nicht! Eine besonders tolle Mappe, ein „buntes“ Layout des Anschreibens und ein sechseckiges Foto sind nicht nur sinnlos, sondern sogar kontraproduktiv. Alles, was über Ihre Besonderheiten zu sagen ist, steht in Schulzeugnissen, Studiennoten, geht aus Praktika, Auslandssemestern, aus Ihrem Werdegang (Beförderungen) hervor, lässt sich aus Arbeitgeberzeugnissen ablesen.

Das eine oder andere(!) Zusatzargument, eine vielleicht notwendige Erklärung oder Ihre Motivation für einen eventuell nicht spontan verständlichen Schritt finden dann noch im Anschreiben ein Plätzchen. Aber was müssen Sie bei einem „guten” Examen nach kurzem Studium, bei einem anforderungsgerechten Werdegang mit den gefragten Erfahrungen noch erklären?

Eine Argumentation dieser Art gibt es nicht: „Ich bin toll, gebe aber zu, dass man das aus den Fakten meiner Bewerbung nicht erkennt – daher sage ich es Ihnen hier.” Wenn Sie toll sind, sieht man das aus den Fakten. Sonst müssen Sie in Zukunft daran arbeiten. Anders ausgedrückt: Ihr ganzes bisheriges Leben ist bereits Ihre „Bewerbung“, jetzt stellen Sie nur noch Fakten und Dokumente zusammen.

3. Der typische Bewerbungsleser ist Profi. Und er liest in dieser Angelegenheit mehrere, meist viele Zuschriften. Davon taugen 90 % nichts, was der Profi vorher weiß. Er will also schnell + einfach an die konkreten Sachinformationen in jeder Bewerbung heran. Diese will er da finden, wo er sie immer findet – wo er sie auch sucht! Jede Art von äußerlichem Sonderaufwand erschwert ihm seine Arbeit und nimmt ihn gegen den Absender ein. Das bezieht sich auf Mappen, Register, Anlagen, Abheftschemata etc.

Der Leser befindet sich in einem relativen Auswahlprozess: Er legt die Bewerbung „Müller“ (wobei ihn der Name überhaupt nicht interessiert) auf Stapel C. 20 Bewerbungen weiter stößt er auf „Lehmann“, der auch interessant ist. Aber wie will er schnell und einfach(!) herausfinden, ob „Lehmann“ nicht sogar deutlich interessantere Fachkenntnisse hat als jener „Müller“. Dazu muss er durch blitzschnelles Blättern bei beiden diese Informationen finden. Er wird äußerst wütend, wenn ihm einer davon durch eine besonders „kreative“ Gestaltung diese Suche erschwert.

4. Der schmiegsame Klemm-Plastik-Hefter genügt als Mappe völlig. Die Farbe ist unwichtig, auffällige Ausführungen (strahlendes Lila) sind eher schädlich. Ach ja: Das Preisschild ist zu entfernen. Die neumodischen mehrflügeligen Pappmappen sind absolut unpraktisch (für den alles entscheidenden Leser). Wenn die Empfehlung durch den Schreibwarenhandel für Sie ein Argument ist, können Sie ja dort gleich auch Ihren Lebenslauf beurteilen lassen. Konkret: Dort liest man niemals Bewerbungen, kann also auch keine Fachkenntnisse haben.

5. Jede Art von extra eingelegtem Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Anlagenprotokoll, Register ist absolut überflüssig. Sparen Sie jedes Blatt ein, das Sie einsparen können, der Leser dankt es Ihnen. Bei ihm addieren sich 123 Bewerbungen à 31 Blatt Papier zu einem kaum zu bewältigenden „Haufen Papier“, von 3.813 Seiten. Lesen Sie die einmal, dann fühlen Sie mit ihm.

6. In dem Ordner werden umgekehrt chronologisch abgeheftet (also die ältesten Dokument unten, die jüngeren obenauf):

- das Schulabgangszeugnis (Abitur/Fachhochschulreife), wobei viele Bewerbungsempfänger die Dokumente auch nach 20 Jahren noch sehen möchten, andere weniger. Je mehr Berufspraxis Sie haben, desto eher können Sie darauf verzichten. Falsch aber ist die Beifügung nie! (Na ja, außer Ihre Noten sind extrem schwach.)

- weitere ausbildungsrelevante Dokumente (Lehrabschluss, Praktika, Werkstudententätigkeiten). Je älter sie sind, desto entbehrlicher werden sie (und umgekehrt). Bei der ersten Stelle nach dem Studium sind sie ebenso Pflicht wie das Schulabgangszeugnis. Achtung: Der – sofern vorhanden – Lehrabschluss (IHK) muss mit Noten bis ans Lebensende beigefügt sein.

- das Examenszeugnis. Wenn ein Studien-Hauptexamen vorliegt, wird das Vorexamen entbehrlich. Sofern vorhanden, muss das Hauptexamenszeugnis immer(!) beigefügt sein, stets mit den Notenblättern!

- die Arbeitgeberzeugnisse aus jeder einzelnen beruflichen Tätigkeit seit Studienabschluss (zwingend!). Einzige Ausnahme: Wenn Sie heute in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stehen, wird akzeptiert, dass es aus dieser Phase noch kein Dokument gibt – man glaubt dann Ihren Angaben im Lebenslauf (eine tolle Chance, nicht wahr?).

- Seminar-, Kurs- oder sonstige Bescheinigungen sind nur bei komplexen Zusatzausbildungen erforderlich, sonst werden Ihre diesbezüglichen Angaben im Lebenslauf und/oder Anschreiben geglaubt. Ausnahme: Wenn die Anzeige, auf die hin Sie sich bewerben, eine spezielle Zusatzqualifikation ausdrücklich fordert, sollten Sie eine entsprechende Bescheinigung mit abheften. Sonst im Zweifel eher nicht (aber im Lebenslauf unter „Sonstiges“ diesen Aspekt ruhig erwähnen). Achtung: Alle diese Dokumente werden – in sich umgekehrt chronologisch sortiert – als Paket (gleichgültig, aus welcher Lebensphase sie stammen) ganz nach unten in den Ordner gegeben, also noch unter das Schulabgangszeugnis. Diese Blätter stören nämlich, wenn der Leser eine bestimmte Information gezielt sucht (siehe 3.).

- der Lebenslauf in tabellarischer Form. Berufsanfänger sollten mit einer Seite zurechtkommen, bei längerer Praxis sind zwei oder sogar drei informative Seiten ebenso akzeptabel wie hilfreich. Empfehlenswert in Deutschland ist die chronologische Form, also die Auflistung entsprechend dem zeitlichen Verlauf (Geburt vorn, heutige Position hinten). Empfehlenswert sind Rubriken wie „Persönliche Daten“, „Schule/Ausbildung/Wehrdienst“, „Studium“, „Berufspraxis“, „Sonstiges“.

Gestalten bzw. wählen Sie die Rubriken so, dass Sie insgesamt einen chronologischen Verlauf ohne Lücken oder Zeitsprünge bekommen, der Leser will nicht ständig zwischen Rubriken und Seiten springen und blättern müssen, um herauszufinden, was Sie 1993/94 getan haben.

Wichtig ist es, in der Berufspraxis-Rubrik bei Arbeitgebern Angaben zur Branche, Größe, Konzernzugehörigkeit u. ä. zu machen und bei der Positionsbezeichnung Informationen zur Tätigkeit (Stichworte) zu geben. Verlassen Sie sich dabei nicht(!) auf Ihre Arbeitgeber-Zeugnisse.

In der Rubrik „Sonstiges“ können Sie spezielle Sprach- und Fachkenntnisse, Hobbys, außeruniversitäre Aktivitäten während des Studiums ebenso unterbringen wie IT-Fähigkeiten o. ä.

Oben rechts auf Seite 1 des Lebenslaufs klebt das (Original-)Foto.

- das Anschreiben liegt innerhalb des Ordners lose obenauf (sofern der Klemmmechanismus ein loses Einlegen zulässt, sonst heften Sie es einfach mit ein). Zum Inhalt lässt sich in dieser kurzen Aufstellung nichts sagen, das wäre ein eigenes Kapitel. Aber unter Muster-Anschreiben finden Sie einen Beitrag dazu aus der „Karriereberatung“ in den VDI nachrichten.

7. „Was Sie sonst noch über mich wissen sollten“ o. ä. ist irgendwo zwischen „Mätzchen“ (schädlich, überflüssig) und „Eigenlob“ einzuordnen. Letzteres ist höchstens „negativ interessant“ – mancher Leser freut sich, wenn der Bewerber sich durch diesen Unfug so richtig disqualifiziert. Aber wer 123 dieser Darstellungen nacheinander lesen muss, hat vor lauter Kopfschütteln Schwindelanfälle.

 

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aktualisiert: 15.07.2010

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